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Orchesteransicht
Sinfonieorchester made in Offenbach: die Neue Philharmonie Frankfurt. © Stadt Offenbach
"O Fortuna!" - Der grandiose Eröffnungschor von Carl Orffs "Carmina burana" eröffnet das erfolgreichste Chor- und Orchesterwerk des 20. Jahrhunderts, ein einstündiges Werk, das sich nur mit einem Feuerwerk vergleichen lässt. Am Sonntag, 14. Mai, um 17 Uhr beginnt das Abschlusskonzert der aktuellen Saison der Capitol Classic Lounge, in dem die "Carmina Burana" das zentrale Werk darstellt.

Der Neuen Philharmonie Frankfurt zur Seite steht dabei die Singakademie Frankfurt, einer der wichtigsten Konzertchöre der Rhein-Main-Region, und drei hochkarätige Solisten, die die charakteristischen Gesangspartien Orffs interpretieren. Am Dirigentenpult steht Anna Skryleva, zuvor am Staatstheater Darmstadt als Erste Kapellmeisterin tätig und frisch in die Hauptstadt Berlin umgesiedelt. Bevor die über 170 Ausführenden in die "Carmina burana" starten, spielt die Neue Philharmonie Frankfurt eine von Skryleva zusammengestellte Suite aus Aram Khatchaturjans Ballett "Gayaneh", aus welcher der "Säbeltanz" zu den bekanntesten Orchesterstücken des 20. Jahrhunderts zählt.

Eine pralle Stunde Lebensfreude

Die "Carmina burana": Eine pralle Stunde Lebensfreude und Sinnlichkeit, gerahmt von Philosophie, die selten so funkensprühend besungen worden sein dürfte wie in diesem Werk. Hier pulsieren Rhythmen, die an elektrisierender Kraft den Vergleich mit den besten Beats der Neuzeit nicht zu scheuen brauchen, mit dem Klang des Elementaren um die Wette. Der Abt von Cucanien aus dem Land der Trinker reißt seinen männerchorischen Konvent sonor zum Dienst am Bierkrug mit, und die Damen hauchen Lateinisch-Laszives zur schönsten Nebensache der Welt.

Mit gewaltigen Chören im Rausch von Glocken und Klavieren zu Beginn und Schluss wird dabei das Schicksal besungen – alles sprudelnde Leben ist nur ein Auszug aus dem großen, unerbittlich fortgeschriebenen Buch der Jahrhunderte, Jahrtausende und Ewigkeiten. Die Texte stammen original aus einer Handschrift aus dem Hochmittelalter aus dem Kloster Benediktbeuren – doch klösterlich ist in diesem Sujet nur wenig...

Solisten sind Chelsey Schill, Sopran in der Partie des "Mädchens mit dem knisternden roten Kleid", Joaquín Asiáin, Tenor, als "gebratener Schwan" und der in Offenbach bereits bestens bekannte Bariton Patrick Ruyters als Abt von Kukanien, dem Land des Trinkens. Die Neue Philharmonie Frankfurt kommt dieser Tage von der jüngsten Tour mit Stargeiger David Garrett zurück und ist entsprechend in funkensprühende Musik bestens eingearbeitet, um Orff und Khatchaturjan. Anna Skryleva wirkte 2007 bis 2012 an der Staatsoper Hamburg, ging 2012 als stellvertretende Generalmusikdirektorin ans Landestheater Schleswig-Holstein und war danach ab 2013/14 in selber Position am Staatstheater Darmstadt. 2015 wurde sie zum 1. Internationalen Institut für Dirigentinnen an die Oper in Dallas eingeladen.

Die vor 95 Jahren gegründete Singakademie Frankfurt hat nicht nur bei zahllosen imposanten Aufführungen zeit Ihres Bestehens in Frankfurt und weit darüber hinaus mitgewirkt und veranstaltet regelmäßig große eigene Konzerte – sie wirkte auch bereits 1937 bei der Uraufführung der "Carmina Burana" mit. Wie der Chorvorstand versichert, ist allerdings kein Mitglied mehr im Chor, das die Uraufführung mitgesungen hätte.

Dem imposanten Werk gegenüber stehen Auszüge aus Aram Khatchaturjan 1942 geschriebenem Ballett „Gayaneh“. Komponiert ist sie unter den Bedingungen des Sozialistischen Realismus‘ und damit auch politische Musik. Aber im weitesten Sinn ist sie dies so sehr, dass der weit über den kommunistischen Einflussbereich berühmt gewordene Säbeltanz sogar Billy Wilder dazu inspirierte, in „Eins, zwei, drei“ anno 1961 Lilo Pulver dazu vor Funktionären auf dem Tisch tanzen zu lassen.

Karten gibt es beim OF infocenter, Salzgässchen 1, Telefon 069 - 84 00 04 170, und allen anderen bekannten Vorverkaufsstellen.

Orchesteransicht Stadt Offenbach
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